Südbalkan-Rundreise 2024
30.03.24 – 13.04.2024
Alter Schwede so viele Reisen, so viele Blogs zu schreiben. Aber gut hilft nix, gehört zum Leben dazu. Nach der glorreichen Nordbalkanrundreise ist es nur richtig, eine noch glorreichere Reise genau 1 Jahr später zu ergänzen, die Südbalkanrundreise 2024…
Die Planung
Die Planung gestaltete sich vergleichsweise einfach. So stand bereits mit Abschluss der Nordbalkanrundreise fest, was noch zu besichtigen ist im Balkan. Es fehlten schließlich noch 5 Länder auf der Balkanhalbinsel. Das schafft man natürlich nicht in einer Woche. So kamen mein werter Kollege Klaus und ich auf die Idee, zwei Wochen Roadtrip daraus zu machen. Beginn am Karsamstag und Ende genau zwei Wochen später. Und die Route stand auch bald fest. Vom schönen Niederbayern aus zunächst entspannte 1000km bis nach Sarajevo fahren. Weiter nach Montenegro bis in die Hauptstadt Podgorica. Danach weiter nach Albanien nach Durrës und Tirana. Im Anschluss in den Kosovo über Prizren nach Priština. Von da aus weiter nach Nordmazedonien nach Skopje. Zuletzt nach Bulgarien in die Hauptstadt Sofia. Für den Rückweg haben wir eine Übernachtung in Ungarn vorgesehen. So ergaben sich insgesamt 3800km Strecke für mein immerhin 13 Jahre altes Auto. Schon bald haben wir die Vorbereitungen umgesetzt und Hotels, Airbnbs, geführte Touren und E-Vignetten gebucht. Die Reise konnte beginnen…
Die Anreise nach Sarajevo
Karsamstag, 03:30, irgend so ein Kaff, das eh keiner kennt
Guten Morgen Sonnenschein! – sähe so mein Weckruf aus, hätte ich absolut 0 Motivation gehabt. Doch zum Glück kenne ich gute Balkan-Musik für meinen Wecker und beginne den Tag entspannter. Zum Frühstück ein Osterei und einen doppelten Espresso – so wird man ganz schnell fit. Das Reisemobil, welches zum größten Teil schon am Vorabend beladen wurde, wartet schließlich schon. Nur noch schnell die Kühlbox einladen, schauen, ob alle Papiere im Auto sind und schon geht es los. Mein Reisekollege wartet schließlich auch schon. Punkt 4:30 treffe ich im beschaulichen Schierling (b. Eggmühl) ein. Zur Begrüßung überraschte mich mein Kollege mit noch mehr Zeugs, das ins Auto muss. So war der Polo ganz schnell komplett voll, gut, sind ja auch immerhin zwei Wochen. Den größten Teil der Route kannten wir schon von der Nordbalkanrundreise. Zunächst über die B15n zur A92 und A3 bis Passau. Dort lag es an mir, meine Skills aus Rennspielen anzuwenden, um auf der größtenteils unbegrenzten Autobahn die entscheidenden Minuten rauszuholen. Insgesamt sind wir ja laut Navi immerhin 10h (ohne Pause) unterwegs. Am letzten Rastplatz vor der Grenze übergab ich das Steuer an Herrn Klaus. Er führte uns sicher durch die ellenlangen Tunnel auf der österreichischen A8 und A9 bis nach Slowenien. Dort verließen wir die Autobahn direkt hinter der Grenze kurz für einen Tankstopp und einen kleinen Imbiss. An der Stelle ein großer Dank an meinen Vater, der das Auto vor Reisebeginn volltankte. Nun lag es wieder an mir, die Passagiere sicher weiter zu bringen. An Marburg/Maribor vorbei weiter Richtung Zagreb. Ähnlich wie bei der Nordbalkanrundreise waren wir weniger als 60 Minuten auf der slowenischen Autobahn, mussten aber trotzdem die vollen 15€ Gebühr für die 7-Tages-Vignette bezahlen. Hier muss ich tatsächlich mal die Österreicher loben, die Anfang 2024 eine Tagesvignette eingeführt haben, die perfekt für unsere 2 Durchfahrten passte. Gegen Mittag legten wir einen kurzen Stopp in Zagreb bei einem großen Einkaufszentrum neben der Autobahn ein. Ich wollte meinen Vorrat an meiner kroatischen Tabasco-Version auffüllen, die man zwar bestellen kann, aber das kostet natürlich entsprechend Versand. Obwohl Interspar als Vertriebspartner gelistet war, gab es die Sauce genau bei diesem Interspar nicht. Von wegen „alles da da da!“. Die Hälfte der Fahrzeit war auch schon rum. Aber so konnte ich wenigstens das ovale, magnetische D-Schild am Heck anbringen, welches in manchen Nicht-EU-Ländern notwendig ist. Weiter ging es auf der kroatischen A3 Richtung Slavonski Brod. Nun standen wir vor der Qual der Wahl. Entweder den uns bereits bekannten Grenzübergang Stara Gradiška/Gradiška nehmen oder die Autobahn eine Ausfahrt früher verlassen und den Übergang Jasenovac/Donja Gradina benutzen. Laut Google Maps war letzteres die momentan schnellere Variante. So kamen allerdings auch 20km bosnische Landstraße hinzu, bevor wir auf die E661 nach Banja Luka trafen. Den Grenzübergang passierten wir zügig. Allerdings haute der Grenzbeamte den Stempel halb auf mein altes Jordanienvisum, obwohl es genügend andere freie Seiten gegeben hätte. Im Anschluss waren wir auch schon in Bosnien & Herzegowina, genauer in der tollen Republika Srpska. Die 20km Landstraße zogen sich etwas. Vorbei an heruntergekommenen Ortschaften und brennenden Müllbergen. Anhand der Müllentsorgung merkt man, dass man soeben die EU verlassen hat. Über die uns schon bekannte E661 ging es weiter bis Doboj. Wie bereits bei der Nordbalkanrundreise war diese fast komplett leer. Einen kurzen Halt legte ich an einem „Rastplatz“ ein, der aus einer riesigen Schotterfläche und ein paar Dixi-Klos bestand. Leider endet auch die schönste Autobahn irgendwann. Nach Begleichen der Mautgebühr ging es über die M17/E73 weiter bis Zenica. Hier soll in Zukunft mal eine Autobahn gebaut werden, die die bislang nur stückhaft existierende A1 verbinden soll. Es befinden sich derzeit auch bestimmte Abschnitte im Bau. Dieser verzögert sich allerdings zum einen durch die hügelige Landschaft, die viele Tunnel und Brücken erfordert und zum anderen durch die dezentralisierte Organisation des Staates. Mittlerweile waren wir auch in der anderen Entität des Landes, der Föderation Bosnien und Herzegowina (FBiH). Die M17 besteht aus vielen engen Kurven, dunklen Tunneln und Einheimischen, die waghalsige Überholmanöver starten, nur um an der nächsten Kreuzung dann eh links abzubiegen. Ab Zenica geht die A1 weiter. So kamen wir auch alsbald in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina sowie der FBiH an…
Sarajevo, die erste
In Sarajevo angekommen bezogen wir als erstes unser Airbnb. Beim Ausladen des Autos stellte ich fest, wie dreckig es durch die 1000km Fahrt geworden ist. Am Kennzeichen und an der Scheibe klebten viele Überreste von Insekten. Unsere Vermieterin wies uns in die Wohnung ein und gab uns Tipps für die Stadt. Zudem meinte sie, wir sollten möglichst nicht den alten jugoslawischen Aufzug im Treppenhaus benutzen. Da wir allerdings dank des Aufenthalts in Beograd bereits Experten darin waren, haben wir ihn dennoch benutzt. Im Anschluss ging es auf Richtung Innenstadt. Für die etwa 3,5km zum Zentrum wollten wir die Straßenbahn benutzen. Das Ticket kauft man ausschließlich beim Fahrer und bezahlt bar in bosnischen Mark. So ging es zunächst zum Geldautomaten. Erster Fehler bestand darin, genau 100 KM abzuheben. Denn der Automat gab uns damit genau einen 100 Mark Schein, den der Fahrer natürlich nicht wechseln konnte. Also nochmal raus aus der Straßenbahn und rein in das nächste Einkaufszentrum, um einen 10€ Schein in einer Wechselstube zu wechseln. Jetzt aber wirklich ins Zentrum. Eine Fahrt kostet umgerechnet um die 90ct pP, In etwa 20 Minuten erreicht man die Altstadt. Ausgestiegen sind wir an der berühmten Lateinerbrücke an der Miljacka. Hier fand 1914 das Attentat von Sarajevo statt, bei dem der serbische Nationalist Gavrilo Princip den österreichischen Thronfolger und dessen Gattin erschoss, was letztendlich die Julikrise auslöste, welche zum Ersten Weltkrieg führte. Markiert ist die Stelle durch eine Markierung im Boden, auf der der Attentäter stand. Weiter ging es zu Fuß; zunächst zur Baščaršija, einem zentralen Marktplatz in der Altstadt. So langsam war es auch Zeit für das Abendessen. Problematisch war, dass gerade Ramadan war und wir uns in einer Stadt befanden, in der ca 80% der Einwohner bosnische Muslime sind. So kamen zu Sonnenuntergang alle gemeinsam zum Essen zusammen, wodurch die meisten Lokale voll waren. Nach einer halben Stunde wurde es allerdings besser und so konnten auch wir einkehren. Zum Abendessen gab es selbstverständlich Ćevapi, serviert mit Brot (Lepinja) und gewürfelten rohen Zwiebeln. Nach dem Essen ging es zur Gazi Husrev-Bey Moschee, der größten Moschee des Landes. Weiter ging es durch die unterirdische Markthalle Gazi-Husrev-Beg-Bezistan, einer der am besten erhaltenen Markthallen aus der osmanischen Zeit in Südosteuropa. Daneben befindet sich der Tašlihan, eine Herberge aus der osmanischen Zeit. Zudem gingen wir noch zur Kathedrale von Sarajevo. Bemerkenswert sind die vielen noch vorhandenen Einschusslöcher aus dem Bosnienkrieg. Langsam kam für uns der Zeitpunkt, zurück in die Wohnung zu fahren. Im nahegelegenen Supermarkt direkt unter der Wohnung kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten für das Frühstück. Beim Stellen des Weckers bemerkten wir, dass ja das letzte Wochenende im März ist und damit Zeitumstellung. Dies bedeutete für uns eine Stunde weniger Schönheitsschlaf. Damit mussten wir zügig ins Bett, es stand ein langer Tag bevor…
Tagesausflug in die Herzegowina und den südlichen Teil Bosniens
Für uns ging es sehr früh aus dem Bett. Bereits um 8 Uhr wurden wir bei unserer Unterkunft abgeholt. Gebucht haben wir einen geführten Tagesausflug in die Herzegowina und den südlichen Teil Bosniens. Abgeholt wurden wir mit einem Minibus. Insgesamt waren 8 Gäste an Bord. Von Sarajevo aus ging es zunächst nach Konjic. Bekannt ist Konjic für seine alte Brücke über den Fluss Neretva. Diese wurde 1682 errichtet. Nach der Zerstörung zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie zwischen 2006 und 2009 wiederaufgebaut. Weiter ging die Fahrt durch die schöne Landschaft. Nach einem kurzen Foto-Stopp bei Jablanica ging es nach Blagaj. Dort befindet sich die Karstquelle des Flusses Buna und das dort befindliche Derwisch-Kloster mit einer Tekija. Danach fuhren wir in das Dorf Pocitelj mit seiner mittelalterlichen Festung, die einen grandiosen Ausblick bietet. Weiter ging es zu den berühmten Kravica-Wasserfällen. Zuletzt ging es weiter in die Hauptstadt der Herzegowina, Mostar. Das Wahrzeichen und der Namensgeber der Stadt ist die alte Brücke (Stari Most), die sich in einer Höhe von 19 Metern über der Neretva befindet. Ursprünglich Ende des 16. Jahrhunderts erbaut, überlebte die Brücke beide Weltkriege, bevor sie 1993 im Bosnienkrieg von kroatischen Truppen zerstört wurde. Nach Ende des Krieges wurde die Brücke bis 2004 wiederaufgebaut. Seit 2005 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe. Besonders bekannt ist die Brücke auch für die Klippenspringer im Sommer. Nach einer längeren Besichtigung der Stadt ging es zurück nach Sarajevo. Unser Guide erzählte viele interessante Geschichten über die Bauwerke und das Land. Zudem unterhielt er die Gruppe mit Musik von Halid Bešlić, was vor allem uns sehr gefiel. Nach Ende der Tour machten wir uns noch einmal auf dem Weg in die Innenstadt. Zum Abendessen gab es dieses Mal bosnischen Burek. Danach gingen wir noch in eine Kneipe am Rande der Altstadt, wo wir bei einem Bier über die DSGVO diskutierten und sich irgendwann ein tschechischer Mitbürger am Nebentisch zu uns gesellte und wir unsere bisherigen Fahrterlebnisse gemeinsam teilten. Anschließend ging es auch schon in den wohlverdienten Schönheitsschlaf…
Sarajevo, die zweite
Zum Wecken gab es einen tollen Aprilscherz. Leider kein Aprilscherz war hingegen das KCanG, welches an diesem Tag in Deutschland in Kraft trat. Nach dem Frühstück ging es für uns wieder in die Stadt. Zunächst in das Museum an der Attentatsstelle. Danach gingen wir weiter zum Rathaus, welches etwas weiter flussaufwärts gelegen ist. Langsam war es auch schon Zeit für das Mittagessen. In einem Lokal in der Altstadt bestellten wir Pljeskavica, ein gegrilltes Hacksteak, serviert mit Pommes, Salat und Ajvar. Danach gingen wir weiter zur Kathedrale, wo sich das Srebrenica-Gedenkmuseum befindet, welches wir anschließend besichtigten. Nach einem kurzen Zwischenstopp im nahegelegenen Supermarkt für eine Flasche Wasser gingen wir weiter zum Markale-Markt. In dieser, heute noch betriebenen Markthalle kam es 1994 während des Krieges zu einem Angriff mit einer Mörsergranate, bei der 68 Menschen ihr Leben verloren. Anschließend gingen wir einen Berg hinauf zur Gelben Bastion. Hier hat man einen wunderbaren Überblick über die Stadt. Oben stärkten wir uns mit einem türkischen Kaffee. Am Abend gingen wir vor dem Abendessen noch einmal an der Miljacka entlang. Zunächst zum Parlament, dann zur deutschen Botschaft und schließlich zur Akademie der darstellenden Künste mit einer beleuchteten Fußgängerbrücke. Zum Abendessen gingen wir in die Altstadt. Es gab Lammkotlett mit Grillgemüse. Leider ohne Bier, denn die meisten Lokale servierten aufgrund des laufenden Ramadans nur zur Mittagszeit alkoholische Getränke. Nach dem Essen gingen wir noch einmal zur Baščaršija. Dort tranken wir aus dem Sebilj-Brunnen. Schließlich besagt ein Sprichwort, dass jeder, der aus dem Brunnen trinkt, irgendwann einmal wieder nach Sarajevo zurückkehren wird und das haben wir definitiv vor. Langsam aber sicher ging es dann doch zurück in die Unterkunft, schließlich stand am nächsten Tag eine längere Fahrt auf dem Programm…
Die Fahrt nach Podgorica
Früh am Morgen ging es weiter. Auto wieder beladen und ab nach Crna Gora aka Montenegro. Auf dem Papier sind es nur 230km in die Hauptstadt Podgorica, vormals Titograd. Allerdings braucht man dafür laut Google Maps gute 4 Stunden, was an den engen, bergigen Straßen liegt. Über die M18/E762 geht’s zunächst raus aus der Innenstadt nach Istočno Sarajevo (Ost-Sarajevo), dem Teil der Stadt, der in der Republika Srpska liegt. In der Nähe des Flughafens von Sarajevo legten wir einen Tankstopp ein; schließlich haben wir seit Slowenien nicht mehr getankt. Volltanken für 100 KM, also ca 50 Euro (1,25€/l), das ist wirklich der Knüller. Im Anschluss warteten viele kleine Käffer und enge Passstraßen auf uns. 80km den Berg hinauf bis zur Staatsgrenze. Ein Highlight wartet ab Foča, ein Ort, der etwa 20km vor der Grenze liegt. Hier trifft die M18 auf die M20. Ab dieser Kreuzung ist die M18 eine enge, nicht asphaltierte Bergstraße mit Tempo 30, fehlender Leitplanke trotz Schlucht daneben und Kühen mitten auf der Fahrbahn. Tolle Europastraße. Bald waren wir am Grenzübergang Hum zu Montenegro. Im Prinzip ein Containerbüro mit Schranke, mitten in der Wildnis. Der Grenzer wollte wohl gerade Pause machen, als wir ankamen. Dadurch musste er leider wieder rein gehen und uns abfertigen. Nach der Ausreise (bei der wir leider wieder keinen Ausreisestempel bekamen) ging es über eine Holzbrücke zum montenegrinischen Kontrollpunkt Šćepan Polje. Auch hier wurden wir zügig abgefertigt und bekamen sogar einen schönen Einreisestempel. Ab der Grenze geht es eigentlich nur noch bergab. Allerdings sind hier die Straßen breiter und in besserem Zustand. Vorbei gings am malerischen Piva-See bis nach Nikšić, der zweitgrößten Stadt des Landes. Ursprünglich wollten wir hier eine Mittagspause einlegen, entschieden uns aber aufgrund einer Straßensperre dagegen. Danach ging es weiter bergab, bis wir schlussendlich Podgorica erreichten. Ausgebremst wurden wir dabei nur von LKWs, die man einfach nicht überholen konnte und von einer langen Dauerbaustelle, auf der man auf Schotter den Berg hinunter musste und etwa 15 Minuten an einer Ampel stand. Aber schon bald sind wir an unserem Ziel angekommen…
Podgorica
Gegen 13:30 kamen wir in der Stadt an. Wir entschlossen uns dazu, erst einmal in der Stadt zu parken und erst nach der Stadtbesichtigung in unser Airbnb zu fahren, welches etwa 3,5km vom Zentrum entfernt war. Erster Besichtigungspunkt war der Platz der Unabhängigkeit, genauer das dortige Hard Rock Café. Hier holten wir uns ein Mittagessen und ein T-Shirt. Danach ging es weiter zur St. Georgskirche und zum anliegenden Gorica Park. Im Anschluss gingen wir zur deutschen Botschaft und zur Millenniumbrücke, einem Wahrzeichen der Stadt. Über den Njegošev-Park und den König-Nikola-Park ging es weiter zum Uhrenturm. Danach gingen wir zurück zum Parkhaus. Für die 3h Parkzeit bezahlten wir gerade einmal 1,80€. Anzumerken ist, dass in Montenegro in Euro bezahlt wird, obwohl das Land weder EU-Mitglied, noch Eurozonenmitglied ist. Grund dafür ist, dass die Wirtschaft des restlichen Jugoslawiens (Serbien, Montenegro und Kosovo) Ende der 90er nach den Kriegen am Boden war und Montenegro im Jahre 2000, noch vor der Unabhängigkeit 2006, die D-Mark als stabile Fremdwährung offiziell einführte. Somit wurde 2002 der Euro die offizielle Währung des Landes, welches allerdings keine eigenen Münzen ausgeben darf. Schon bald (nach einer kurzen Fehlnavigation xD) kamen wir bei unserer Wohnung an. Eine moderne Wohnung in einem neu gebauten Wohnblock. Wir entschieden uns dazu, an diesem Abend selbst zu kochen. Nachdem Klaus zu einer Videokonferenz musste, ging ich in der Zwischenzeit zum Einkaufen für das Abendessen. Getreu dem Motto „Polnischer Bauarbeiter“ kaufte ich TK-Pizza, Dosenbier und ein großes Glas Essiggurken. Interessanterweise wird in Montenegro der Einkauf im Supermarkt vom Kassierer in Tüten eingepackt. Zurück in der Wohnung ging es auch schon an die Zubereitung des Essens. Unsere Küchenzeile war zwar klein, aber für unsere Anforderungen mehr als ausreichend. Nach 10 Minuten war das Mahl fertig. Ein absoluter Schmackofatz. Nach dem Essen verlud ich meine benutzten kurzen Hosen in die Waschmaschine. Denn beim Packen wusste ich nicht, dass es den ganzen Trip über 20° und mehr haben wird und hatte entsprechend nicht genügend kurze Hosen dabei. Danach gingen wir zum Abendprogramm über. Unser TV hatte zwar kein YouTube, aber dafür ein tolles Spiel. Ein Spiel, bei dem man kleine runde Figuren steuerte, um einen Fußball ins gegnerische Tor zu befördern. Dabei hatte jeder Spieler 10 Züge. Zunächst spielte ich alleine, aber dann konnte ich Klaus zu einer Runde überzeugen. Was so gesehen ein Fehler war, die ersten paar Runden gingen ziemlich in Hose. Doch dann kam mein CR7-Moment, als ich bei 3 verbleibenden Zügen beim Stand von 0:1 aus einer fast unmöglichen Position den Ausgleich erzielte, was Klaus zu einem spontanen Ragequit verleitete. Doch schon bald ging es ins Bett, schließlich stand am nächsten Tag eine kleine Fahrt an…
Tagesausflug nach Kotor & Budva
Nach dem Frühstück ging es für uns gegen 8:30 ins Auto. Ziel war die 87 Kilometer entfernte Hafen- und UNESCO-Weltkulturerbestadt Kotor. Über eine lange Passstraße ging es zunächst hoch nach Cetinje und dann wieder runter nach Budva, welches direkt an der Adria liegt. Die Passstraße bietet einen spektakulären Ausblick. Nach Budva ging es wieder leicht bergauf und dann über einen langen Tunnel weiter bis nach Kotor. Vor der Fahrt hatten wir bereits einen kostenlosen Parkplatz in Innenstadtnähe rausgesucht. Wir hatten Glück und bekamen noch einen freien Platz. Der Parkplatz lag in der Nähe des Hafens, der mitten in der Bucht von Kotor liegt. Zu Fuß ging es, vorbei an der alten Stadtmauer, zum Sea Gate (Vrata Mora), welches den Eingang zur Innenstadt darstellt. Von da aus kommt man direkt zum berühmten Glockenturm. Dort merkten wir, dass in unserer Umgebung viel deutsch gesprochen wird. Grund waren wohl zwei riesige Kreuzfahrtschiffe, die an diesem Tag in Kotor anlegten. Für uns ging es weiter zum Kampana-Turm auf die Stadtmauer. Danach machten wir einen kleinen Rundgang in der Stadt. Neben der Stadtmauer liegt die orthodoxe St.-Nikolaus-Kirche. Weiter ging es zum alten Brunnen am Karampana-Platz. Weiter ging es zur St.-Josefskirche. Dort befindet sich auch der Aufgang zur Bergfestung, auf den wir aus Zeitgründen verzichteten. Danach gingen wir auf den vorderen Teil der Stadtmauer mit Ausblick auf den Hafen. Auf den Grünflächen und in den engen Gassen der Stadt leben viele Katzen. Es gibt deswegen sogar ein eigenes Katzenmuseum und viele Suveniri mit Katzen drauf. Bevor es an den Suveniri-Kauf ging, war es allerdings Zeit für das Mittagessen. Auf dem Platz vor der St.-Tryphon-Kathedrale kehrten wir in ein Lokal ein. Zum Essen gab es Schweinefilet mit Pommes. Danach gingen wir noch in einen der vielen Suveniri-Läden, um uns einzudecken. Langsam aber sicher war es Zeit für den 2. Teil des Tagesausfluges. Wir fuhren über die gleiche Strecke zurück nach Budva. Unweit der Altstadt gab es einen größeren, kostengünstigen Parkplatz. Vorbei am Strand ging es durch die Stadtmauer. Zunächst zur Johannes-der-Säu äh Täufer-Kirche. Danach etwas weiter hoch zur Dreifaltigkeitskirche. Weiter ging es zum Stadtmuseum in der Zitadelle von Budva, welches wir anschließend besichtigten. Danach ging es selbstverständlich noch zum Suveniri-Kauf. Im Anschluss verweilten wir noch etwas an der Strandpromenade, bevor wir zurück zum Parkplatz gingen. Insgesamt sind Kotor und Budva zwei beeindruckende Städte. Zum einen laden die vielen Strände zu einem preiswerten Sommerurlaub ein, zum anderen ist in den Altstädten auch etwas für Kulturfreunde geboten. Bemerkenswert ist, dass beide Städte 1979 bei einem Erdbeben stark beschädigt wurden und viele der alten Gebäude detailgetreu rekonstruiert wurden. Für uns ging es zurück in unsere Wohnung in Podgorica. An die vielen waghalsigen Überholmanöver der Einheimischen haben wir uns mittlerweile sogar schon gewöhnt. Zum Abendessen gab es Podgorički popeci, Fleischrollen, die dem Karađorđeva šnicla ähneln. Dazu natürlich ein schönes Piwo. Nach einigen Runden des tollen Fußball-Spiels in der Unterkunft ging es auch schon wieder ins Bett für uns, schließlich stand wieder eine längere Fahrt an…
Die Fahrt nach Albanien
Am nächsten Tag, dem 04.04. stand wohl eine der härtesten Fahrten meines Lebens an. Wie hart diese Fahrt wird, wusste ich allerdings beim Frühstück noch nicht. Auf der Agenda stand die Weiterfahrt nach Albanien. Erstes Ziel dabei war die Hafenstadt Durrës. Ab Podgorica sind es nur 25km bis zur Staatsgrenze Bozhaj/Hani i Hotit. Über die E762, direkt vorbei am Skutarisee bis zum Grenzübergang. Ohne Wartezeit und leider auch ohne Stempel ging es weiter auf der albanischen SH 1. Und schon merkte ich, dass manche der bestehenden Vorurteile über den albanischen Straßenverkehr tatsächlich stimmen. Hauptgrund dafür ist, dass in Albanien während der sozialistischen Regimes bis 1990 privater Autoverkehr verboten war und es deswegen teilweise noch an Fahrpraxis mangelt. Waghalsige Manöver und Geschwindigkeitsübertretungen werden allerdings durch zahlreiche Polizeikontrollen meist unterbunden. Die Fahrt führte uns über zahlreiche Dörfer, vorbei an Shkodra, bis nach Durrës. Dabei wird die SH 1 zwischendurch durch die A1 unterbrochen, welche allerdings auch nicht in viel besserem Zustand als die sonstigen Straßen im Land sind. In Durrës angekommen stellte sich erst einmal die Frage der Parkplatzsuche. So haben wir zwar einen Parkplatz ins Navi eingegeben; allerdings war dieser in einer engen Einfahrt, die wir aufgrund des dichten Verkehrs verpassten. Ein bisschen um den Block fahren brachte auch nicht viel mehr. Irgendwann landeten wir in einer steilen Sackgasse über dem Amphitheater. Nach einem kurzen, eleganten Wendemanöver gaben wir einen anderen Parkplatz ins Navi ein. An der Hauptstraße am Ufer gab es eine kleine bewachte Parkgarage. Gegen 13:00 konnten wir endlich aus dem Auto aussteigen…
Durrës
Erster Halt war eine Bankfiliale. Schließlich brauchten wir etwas Bargeld für die 2 Nächte in Albanien. Bezahlt wird in Albanien mit Lek. Danach gingen wir weiter entlang der Hafenpromenade zum Venezianischen Turm. Im Anschluss ging es weiter zum Mittagessen. Dieses Mal kehrten wir in einer Pizzeria ein. Unter Palmen bei Sonnenschein in Hafennähe, fast wie in Italien. Dazu kommt noch das Design der Straßenschilder, welches dem italienischen Design entspricht. Die Pizza war ein echtes Highlight und dazu noch preiswert. Nach dem Essen ging es weiter zum Amphitheater, das wir schon vom Auto aus gesehen haben. Danach gingen wir noch etwas am Hafen entlang und genossen das schöne Wetter. Ein wenig Entspannung vor dem wohl spannendsten Teil der Fahrt…
Die Fahrt nach Tirana
Nach Tirana waren es laut Navi 37km. Die vorgesehene Fahrtzeit betrug laut Maps allerdings über eine Stunde. Bald merkten wir warum. Von Durrës aus geht es zunächst über die vierspurige SH 2 aus der Stadt raus. Die Straße ist in minder gutem Zustand und sehr voll. 11km vor dem Ziel betrug die Fahrtzeit immer noch 35 Minuten. Dann kam das Schlimmste. Am Ortsanfang von Tirana teilt sich die Schnellstraße auf, wobei zwei Spuren weg von der Straße Richtung Zentrum führen. An dieser Abfahrt bildete sich nun ein riesiger Stau. Jeweils 4 Fahrzeuge nebeneinander, die sich die 2 Spuren teilen wollen. Und mitten in diesem Ameisenhaufen waren wir. In einem fremden Land, in einer fremden Stadt, in einem Verkehrschaos und mit minimaler Angst ums eigene Auto, insb. um die Außenspiegel. Angenehm. Bis wir an der unteren Kreuzung waren, dauerte es etwa 15 Minuten, geprägt von der ständigen Frage, ob die nächste Bewegung das Auto beschädigen würde. Wunderprächtig. Schlussendlich kamen wir, durch Anwendung lokaler Verkehrssitten (Einfach hupen und Augen zu und durch), doch noch in unserer Zielstraße an. Blieb nur noch das klitzekleine Problem des Parkens. Die gesamte Straße war zugeparkt, inklusive der Nebenstraßen. Wo der Hotelparkplatz war wussten wir zunächst auch nicht. Also nach lokaler Sitte einfach neben dem Hotel in zweiter Reihe mit Warnblinker hinstellen. Klaus ging derweil ins Hotel um nach dem Parkplatz zu fragen. Der Rezeptionist öffnete daraufhin ein kleines Tor zu einer engen Hofeinfahrt. Da ich, angesichts der Verkehrssituation, keinesfalls rückwärts da wieder rausfahren wollte, parkte ich rückwärts im Hof ein. Wir hatten es tatsächlich durch die Hölle des Straßenverkehrs geschafft…
Tirana
Im Anschluss bezogen wir unser Hotelzimmer. Nach kurzer Erholung von der Fahrt gingen wir in die Stadt. Unser Hotel lag unweit von der berühmten Pyramide von Tirana, die wir bestiegen. Danach ging es über den Fluss Lana weiter in die Innenstadt. Vorbei an einem großen Glaskonstrukt in Form einer Wolke ging es für uns zum Schloss. Innerhalb der Schlossmauern kehrten wir auf ein Bier ein. Danach ging es für uns zurück ins Hotel. Dort merkten wir, dass unser Auto zwar in einem gesicherten Hof stand, es aber trotzdem irgendwie mit einem Taschentuch und einer Bananenschale auf dem Dach dekoriert wurde… Täter bis heute unbekannt, sachdienliche Hinweise bitte im Kontaktformular abgeben, merci beaucoup! Die verdiente Nachtruhe wurde uns leider durch eine italienische Großfamilie mit Kindern verwehrt, die um 23:30 es für nötig hielt, das ganze Hotel mit einer lauten Diskussion im Treppenhaus zu unterhalten. Irgendwann stand ich auch im Gang mit der Motivation, die Wachhalter „freundlich“ darum zu bitten, ihre Diskussion auf den nächsten Morgen zu vertagen. Zum Glück der Italiener standen sie nicht auf unserer Etage, der Gang war leider leer. Irgendwann ging es aber doch mit dem Schlaf…
Am nächsten Morgen ging es für uns erst einmal zum Frühstück. Serviert auf der Couch in der Hotellobby an einem kleinen Kaffeetisch. Jeder Gast bekam einen Brotkorb, eine Kaffeekanne, bisschen Aufstrich, ein Ei und ein eingeschweißtes Fertigschokocroissant. Danach ging es für uns auch schon in die Stadt. Zunächst gingen wir zur Namazgah-Moschee, die direkt neben dem Parlament liegt. Danach ging es weiter zum berühmten Skanderbeg-Platz. Auf dem Weg dorthin passierten wir eine Demonstration (Sinn und Zweck konnten wir leider nicht herausfinden), das Plaza-Hotel, das Freundschaftsmonument und die Et’hem-Bey-Moschee. Am weitläufigen Skanderbeg-Platz befindet sich die Reiterstatue, der Kulturpalast, der Uhrenturm und das historische Nationalmuseum. Langsam aber sicher war es auch schon Zeit für einen kleinen Mittagsimbiss. Da wir am Abend groß Essen gehen wollten, entschieden wir uns dazu, das Mittagessen klein zu halten, weswegen wir kurzerhand im nächstgelegenen Fleischpflanzerl-König (BK) einkehrten. Zu Fuß gingen wir weiter zur deutschen Botschaft, die in einer abgelegenen Gartensiedlung liegt. Nach einem kurzen Halt in einem Supermarkt für eine Flasche Wasser gingen wir zurück zum Skanderbeg-Platz. Denn am Nachmittag haben wir eine Walking Tour gebucht, wobei es hauptsächlich um die sozialistische Zeit Albaniens und dessen Überbleibsel in Tirana ging. Die Tour begann an besagtem Platz. Das dortige Nationalmuseum wurde in der sozialistischen Zeit erbaut. Das große Mosaik über dem Eingang ist im Stil des sozialistischen Realismus gehalten. Während der Tour erzählte unser Guide, der in den 1970er Jahren in Tirana aufwuchs, uns viel über das Leben damals. So wurde Albanien nach dem Vordringen der Roten Armee und dem Rückzug der deutschen Wehrmacht Ende 1944 eine sozialistische Diktatur. Angeführt wurde das Land lange Zeit von Enver Hoxha. Als Vorbild für seinen Staat nahm sich Hoxha die Sowjetunion unter Iosif Stalin. Analog den stalinistischen Säuberungen in den 1930er Jahren ließ Hoxha nach der Gründung der SVR Albanien einige Parteifunktionäre exekutieren. 1955 war die SVRA eines der Gründungsmitglieder des Warschauer Pakts. Nachdem sich die UdSSR allerdings unter Chruschtschow von Stalin distanzierte, verließ Albanien den Warschauer Pakt und baute enge Verbindungen zur VR China auf, die bis 1978 hielten. Danach versuchte Albanien komplett autark vorzugehen. Bis 1990 war Albanien faktisch eine hermetisch abgeriegelte Festung, quasi das Nordkorea von Südosteuropa. Unser Guide erzählte uns eindrucksvoll, wie seine Kindheit in dieser Festung aussah. Die Erziehung erfolgte streng nach sozialistischen Leitlinien mit einem festen Tagesablauf. Innerhalb des Landes war privater Autoverkehr untersagt; selbst für den Besuch von Verwandten in einer anderen Stadt war eine Genehmigung erforderlich. Als einfacher Bürger war es auch unmöglich herauszufinden, was außerhalb des Landes so passierte. Wir gingen vorbei am Haus von Mehmet Shehu, dem langzeitigen Ministerpräsidenten von Albanien. Dieser starb 1981 unter mysteriösen Umständen. Am wahrscheinlichsten ist dabei, dass er vom Gefolge Hoxhas aufgrund politischer Divergenzen ermordet wurde. Weiter ging es zur Villa von Hoxha selbst. Diese hat auch eine Bunkeranlage. Während der Autarkie-Zeit fürchtete Hoxha einen Angriff, weswegen er in ganz Albanien Bunker bauen ließ, von denen viele heute noch existierten. Hoxha starb 1985. Dazu meinte unser Guide, dass es für ihn als Kind damals unbegreiflich war, dass jemand, der in seinem Personenkult wie ein Gott verehrt wird (und das obwohl sich Albanien 1967 als erstes Land offiziell für atheistisch erklärt hat und religiöse Aktivitäten hart verfolgte), tatsächlich sterben kann. Am Ende der Tour kehrten wir gemeinsam in einem Café ein. Dabei empfahl uns unser Guide auf Nachfrage ein gutes Restaurant für das Abendessen. Dieses Restaurant lag etwas abseits der Innenstadt in einem Hinterhof. Da wir noch die lokale Küche testen mussten bestellten wir Fërgesë Tirane (Tirana-Auflauf). Definitiv ein Leckerbissen. Langsam aber sicher mussten wir zurück ins Hotel, denn am nächsten Tag stand eine längere Fahrt an. Zuvor ging es aber noch in den Supermarkt, 2 Flaschen Raki als Mitbringsel…
Die Fahrt in den Kosovo
Am nächsten Morgen ging es zunächst wieder zum Frühstück. Schließlich benötigten wir eine Stärkung für die anstehende 260km-Fahrt. Nach dem Checkout stiegen wir ins Auto und weiter ging es mit dem Tirana-Verkehrsinferno. Aber dieses Mal war es definitiv entspannter als bei der Anreise. Nach etwa 20 Kilometern gab es einen kurzen Tankstopp. 10 Liter rein, damit wir es bis zum Ziel schaffen und da volltanken können. Denn auch wenn sich Serbien und Albanien hassen, im Punkt hohe Spritpreise sind sie sich offensichtlich einig. Ja gut ab auf die A1, die leider nur sehr wenig mit einer Autobahn zu tun hat. Schließlich führt sie durch das Gebirge und hat daher viele Stellen bei denen 90 oder sogar nur 60 erlaubt ist. Mittlerweile haben wir uns manche lokale Gepflogenheiten angewöhnt; so warnten wir den Gegenverkehr vor Polizeikontrollen und Blitzern mit der Lichthupe. An einer Stelle ist die A1 auch gebührenpflichtig; 5€ für einen 5km langen Tunnel. Langsam erreichten wir den höchsten Punkt der Straße und damit den Grenzübergang Morina/Vërmica. Da der Kosovo bekanntlich nicht von allen Staaten als unabhängiges Land anerkannt wird bedarf es einer gesonderten Autoversicherung, die grüne Versicherungskarte wird nicht akzeptiert. Diese Versicherung (15 €) haben wir uns in weiser Voraussicht bereits online geholt. Die Abfertigung erfolgte zügig und schon waren wir in dem Staat, der sich 2008 von Serbien abspaltete. Erster Halt war Prizren, etwa 10km hinter der Grenze…
Prizren
In der zweitgrößten Stadt des Landes ging es für uns zum Mittagessen. Unweit der Innenstadt gab es mehrere günstige Parkplätze in Hinterhöfen. Der Parkwächter empfahl uns auf Nachfrage ein traditionelles Restaurant. Das Essen wurde dort teils in Tontöpfen serviert. Zu unserer Überraschung sprach das Personal auch deutsch. Als wir das Restaurant verließen betraten gerade einige deutsche Kollegen von der KFOR das Restaurant. Für uns ging es weiter in der Stadt. Über die alte Steinbrücke über der Bistrica gingen wir zunächst zu einem Drogeriegeschäft einer deutschen Kette. Denn aufgrund des schönen Wetters war Sonnencreme notwendig. Die hatten wir zwar dabei, aber leider an einem unzulänglichen Ort eingepackt… Ja gut, so sahen wir wenigstens wie ein Rossmann im Kosovo aussieht. Eigentlich wollte ich ein transparentes Spray kaufen. Doch leider war ich zu blöd die deutsche Beschriftung der Dose zu lesen und erwarb Sonnenschaum (ja sowas gibt’s, sieht aus wie Rasierschaum) für entspannte 6€. Denn im Kosovo ist der Euro, ähnlich wie in Montenegro, als universale Währung eingeführt worden. Lediglich im Norden des Landes, der nicht vollständig unter der Kontrolle der Regierung steht, ist der serbische Dinar verbreitet. Nach dem Auftragen ging es zur Sinan-Pascha-Moschee und zur Kathedrale Unserer lieben Frau von der immerwährenden Hilfe (ja die hat wirklich so einen langen Namen). Anschließend ging es hinauf zur Festung. Der 30minütige Aufstieg über sehr steile Wege lohnt sich definitiv. Von oben überblickt man über die gesamte Landschaft. Wieder unten kehrten wir noch in einem kleinen Café ein, an dem wir schon vorbeigegangen sind. Dort gab es türkischen Tee für 50ct und dazu eine nette Unterhaltung mit einem älteren Herrn, der ebenfalls deutsch sprach. Langsam aber sicher war es Zeit weiterzufahren. Vor uns lagen noch 85km. Zunächst erst einmal volltanken. 1,30€/Liter, fast so günstig wie in Bosnien. Knüller. Über die Autobahn R7, die deutlich besser ausgebaut ist als ihr albanisches Pendant, und die M9 ging es in die Hauptstadt Pristina. Schon bald erreichten wir unser Hotel, welches an einer steilen Bergstraße, unweit des Stadtparks lag. Zu unserem Vorteil hatte das Hotel auch eine schöne Tiefgarage und geräumige, stylische Zimmer mit Smart-TV, wodurch wir endlich YouTube schauen konnten…
Pristina
Nach einer kurzen Erholungspause im Hotel gingen wir gegen 19:30 noch in die Stadt. Im Zentrum kehrten wir zum Abendessen ein. Nach einem anschließenden Bier in einer Bar ging es in die Unterkunft für eine Runde ESC-Videos. Danach war es auch schon Zeit für die Heia…
Am nächsten Morgen ging es für uns erst einmal zum Frühstück. Erstmals auf dieser Reise gab es ein klassisches und reichhaltiges Kontinentalbuffet. Anschließend gingen wir in die Innenstadt. Von der Ibrahim-Rugova-Statue und der Skanderbeg-Statue aus ging es über den Mutter-Teresa-Platz zur gleichnamigen Kirche, in der soeben der Sonntagsgottesdienst stattfand. Weiter ging es zum Bill-Clinton-Boulevard und zum Newborn Monument, welches zur Feier der Unabhängigkeit 2008 enthüllt wurde. Unterdessen ging Klaus in einen Barbershop. Ein Arbeitskollege empfahl ihm, im Kosovo zum Friseur zu gehen, da es dort sehr günstig ist. Auf Nachfrage bekam er einen Termin schon 30 Minuten später. Insgesamt kostete ihn der Haarschnitt nur 4 Euro. Ebenfalls sehr günstig war der Döner zum Mittagessen. 2,50€. Wahnsinn. Den warmen Nachmittag verbrachten wir damit, zur deutschen Botschaft zu gehen. Diese lag etwas abseits vom Zentrum auf einem Hügel. Der steile Aufstieg wurde mit einem Eis erleichtert. Nach einer kurzen Siesta im Hotel ging es auch schon zum Abendessen. Abschließend gingen wir noch zum Uhrenturm und zur Großen Moschee, welche unweit von unserer Unterkunft lagen…
Mitrovica – die geteilte Stadt
Der nächste Morgen begann wieder mit einem tollen Frühstück. Anschließend ging es für uns wieder ins Auto. Zu unserem ersten Ziel dauerte die Fahrt eine Stunde. Es ging nach Mitrovica, eine Stadt im Norden des Kosovo. Die Besonderheit ist die Zweiteilung der Stadt. Südlich des Flusses Ibar wohnen vor allem Kosovo-Albaner, im Norden überwiegend Serben. Dies führte zu einigen Konflikten und Ausschreitungen seit dem Kosovokrieg 1999; seit 2008 sind die beiden Stadtteile 2 unterschiedliche Gemeinden. Die Gebiete im Norden der Stadt und des gesamten Nordkosovo standen längere Zeit nicht unter Kontrolle der Regierung in Pristina. Symbol der Trennung ist eine Brücke über den Ibar, die mehrmals von serbischer Seite mit Geröll und Fahrzeugwracks versperrt wurde. Heute ist diese Brücke nur für den Fußverkehr freigegeben und wird militärisch bewacht. Da seit den letzten Ausschreitungen im Nordkosovo nur wenige Monate vergangen sind, entschlossen wir uns, im Süden zu parken und zu Fuß in den Norden zu gehen. Wir stellten unser Auto auf einem bewachten Hof ab, wo wir für einen Euro pro Stunde parken konnten. Nachdem wir durch eine Fußgängerzone gingen, kamen wir an der berühmten Brücke an. Sie wurde von italienischen KFOR-Truppen bewacht. Auf der nördlichen Uferseite fanden sich viele Graffitis, wo unter anderem der Befehlshaber des Massakers von Srebrenica als Held bezeichnet wurde. Hinter der Brücke befand sich eine Kriegsdenkmal für gefallene serbische Soldaten. Zudem waren die Preise in den Geschäften nun in serbischen Dinar angeschrieben. Die lange Fußgängerzone endete an einem Platz mit einer großen Statue des serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanović. Nach gut einer Stunde Besichtigung gingen wir wieder zurück zum Auto. Schließlich stand an diesem Tag noch ein weiteres Fahrziel an…
Die Fahrt nach Skopje
Nachdem wir zunächst 40km in die andere Richtung gefahren sind, ging es für uns wieder gen Süden. Ziel war der südliche Nachbar des Kosovo, die Republik Nordmazedonien (in Ehren der Bevölkerung im Folgenden Mazedonien genannt). Bis in die Hauptstadt Skopje waren es 130 km und etwa 2h Fahrtzeit. Immerhin wurde ein Teil der Strecke (Pristina – Staatsgrenze) als Autobahn R6 verwirklicht. Dabei ging es erst bergauf und ab dem Grenzort Elez Han wieder bergab. An der Grenze wurde auf mazedonischer Seite tatsächlich einmal unsere Kfz-Versicherung kontrolliert. Der spannendste Teil lag mal wieder im staureichen Innenstadtverkehr. Unser Hotel lag im nördlichen Zentrum in einem Basarviertel unweit des Flusses Vardar. Wir wussten, dass es einen Parkplatz gibt. Allerdings führte uns mein Navi über die falsche Zufahrtsstraße zum Hotel, weswegen wir in einer Sackgasse endeten. Nach einem kurzen Wendemanöver ging es wieder zur überfüllten Hauptstraße. Bei roter Ampel meinte ein Herr, er müsse jetzt meine Scheibe putzen. Trotz meiner ablehnenden Geste legte er los und beschwerte sich sogar noch darüber, dass ich ihm „nur“ einen Euro für seine unerwünschten Dienste gab. Über eine enge Einfahrt erreichten wir nun doch die richtige Zufahrtstraße. Problematisch wurde, dass die Straße immer enger wurde, bis es schließlich (trotz Spiegel einklappen) gar nicht mehr weiter ging. Klaus ging daraufhin zu Fuß ins Hotel und fragte, wo der Parkplatz ist. An diesem Parkplatz sind wir sogar vorbeigefahren. Ich musste nun rückwärts aus der Sackgasse wieder raus; etwa 200m hinter uns lag der Parkplatz. Hauptproblem war ein Bauzaun, der die Straße auf etwa 1,5m Breite verengte, was bei etwa gleicher Fahrzeugbreite Millimeterarbeit bedeutete. Glücklicherweise half mir ein Einheimischer bei dem Manöver, indem er an der engsten Stelle kurz das Steuer übernahm. Ohne Kratzer kamen wir auf unseren Parkplatz. Unser Hotelzimmer war bei Ankunft um 13:30 auch schon bezugsfähig…
Skopje
Nach kurzer Erfrischung gingen wir in die Stadt. Unser Hotel lag direkt neben der Murat Pascha Moschee. Vorbei am Brunnen „Olympia – Mutter Alexanders III. von Mazedonien“ gingen wir zur Steinbrücke über den Vardar. Dort befindet sich der Platz Mazedoniens mit der Reiterstatue von Alexander dem Großen (die offiziell aufgrund des Namensdisputs mit Griechenland nur als Reiterstatue bezeichnet wird). In einer Seitenstraße besorgten wir uns in einer Bank etwas Bargeld. In Mazedonien bezahlt man mit Denar. Weiter ging es zum Triumphbogen und zum Mutter-Teresa-Gedenkhaus. Letzteres befindet sich in der Nähe des, nicht mehr bestehenden, Geburtshauses von Anjezë Gonxhe Bojaxhiu, die später als Mutter Teresa bekannt wurde. Sie wurde 1910 in Skopje, damals noch unter dem osmanischen Namen Üsküb, geboren und wurde durch ihre Missionarsarbeit in Indien bekannt und ausgezeichnet. Nach Besuch des Hauses und einem kleinen Suveniri-Kauf gingen wir weiter zum Park beim Parlament. Anschließend gingen wir etwas an der Vardar entlang. Dort befindet sich das Archäologische Museum, das Außenministerium und ein Segelschiff, das zu einem Restaurant umgebaut wurde. Nach einer Portion Cevapi am Abend ging es in eine Bar. Der noch relativ junge Barkeeper lud uns an den Tresen ein. Nach einer Frage meinerseits bzgl der Karte kam nur „I am your menu now“. Er zeigte uns eine Darbietung seiner Skills und seiner besten Drinks. Auch der Preis war mit rund 5€ pro Drink mehr als human. Langsam aber sicher mussten wir aber zurück ins Hotel, denn am nächsten Tag stand wieder einmal eine geführte Tour an…
Ohrid
Die Nacht hatte mit Erholung eher weniger zu tun, denn der Muezzin riss mich gegen 4:30 aus dem Schlaf. Hat wohl auch seine Nachteile, wenn die Moschee direkt neben dem Hotelzimmer ist. Kollege Klaus, der gerne mal wie ein Stein schläft, hat selbstverständlich davon erst gar nichts mitbekommen; erst nach einem lauten „Gruzefix“ meinerseits merkte er auch, was da draußen los war. Aber wenigstens war das Frühstück ordentlich. Um kurz nach 8 holte uns unser Fahrer Alek ab. Wir hatten dieses Mal faktisch eine Privattour. Es lagen etwa 2 ½ Stunden Fahrt vor uns. Ziel war die Stadt Ohrid am gleichnamigen See, dem zweitgrößten See auf dem Balkan. Während der Fahrt, die zunächst über Autobahnen aber schon bald über steile Passstraßen entlang der E65 ging, erzählte uns Alek viel über die Geschichte Mazedoniens. Bemerkenswert war auch, dass er Reservegurtschlösser im Auto hatte und sich nur an den Stellen anschnallte, wo entweder eine Mautstelle war oder er eine Polizeikontrolle vermutete. Auf der Passhöhe des überquerten Straža-Pass (1220m Seehöhe) kehrten wir kurz auf ein zweites Frühstück und einen Burek mit Käse ein. In Ohrid angekommen übernahm unser Guide vor Ort. Maja führte uns durch die Festung über der Stadt. Nebenan befindet sich das alte Amphitheater der Stadt. Von der Festung aus hat man einen phänomenalen Blick über die ganze Altstadt und den Ohridsee. Über einen Waldweg gingen wir zur Kirche des heiligen Johannes von Kaneo, die direkt über dem See liegt. Unten am See angekommen unternahmen wir eine kleine, fakultative Bootstour. Anschließend gingen wir zu Fuß durch die Altstadt. Zunächst wurden wir zur orthodoxen Sophienkirche geführt, einer dreischiffigen Pfeilerbasilika. Sie ist bekannt für ihre sehr gut erhaltenen Fresken. Danach ging es in eine kleine Papierfabrik, in der Papier noch mit der Hand hergestellt wird. Langsam war es auch Zeit für das Mittagessen. Maja empfahl uns einige Restaurants für unsere anschließende Freizeit in der Stadt. Wir entschlossen uns für ein Restaurant mit Terrasse direkt am Wasser. Passend dazu gab es Fisch mit Beilagen. Anschließend gingen wir noch etwas durch die Altstadt und deckten uns mit Suveniri ein. Nach etwa 2 Stunden holte uns Alek gegen 14:30 wieder ab. Sicher kehrten wir zurück nach Skopje. Wir bedankten uns für die nette Tour und versprachen eine tolle Bewertung. Denn zum damaligen Zeitpunkt hatte die Tour noch nicht so viele Bewertungen auf Tripadvisor.
Abendprogramm in Skopje
Am Abend deckten wir uns ein weiteres Mal mit Suveniri ein. Zum Abendmahl gab es einen preisgünstigen aber sehr schmackhaften Dürüm. Zudem gönnte sich Klaus eine Schachtel Zigaretten als Mitbringsel, die hier mit rund 1,50€ sehr günstig waren. Ausgeklungen wurde der Abend mit etwas Champions League im Hotel. Unser HotelTV empfing türkische Sender, wo die Partie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk TRT gezeigt wurde. Zudem wurde das Ende des Ramadans lautstark im anliegenden Stadtbezirk gefeiert. Aufgrund des abgebrannten Feuerwerks war die Nacht auch etwas unruhiger.
Fahrt nach Sofia
Der nächste Morgen begann wieder mit einem tollen Frühstück. Vor dem Checkout gingen wir noch hoch zur Festung. Gegen 10:00 verließen wir das Hotel und beluden unser Auto, welches nach 1 ½ Wochen auch schon wirklich sehr schmutzig von außen war. Hilft nichts, vor uns lagen 236km und etwa 3 Stunden und 20 Minuten Fahrt. Zunächst noch über Autobahnen, doch ab Kumanovo ging es bergauf über die E871, entlang am Fluss Kriva. Nach etwa 75 km erreichten wir die Staatsgrenze in Deve Bair/Gjueschewo. Interessanterweise war hier auf mazedonischer Seite das Grenzhäuschen rechts gebaut, wodurch mein Beifahrer die Pässe und Fahrzeugdokumente raushalten durfte. Auch auf bulgarischer Seite war Arbeitsteilung angesagt. Schließlich war dies die Außengrenze der EU, wodurch die Kontrollen etwas länger gingen. Während Klaus ausstieg und der Zollbeamtin unsere Waren im Kofferraum zeigte, regelte ich den Papierkram bei der Passkontrolle. Doch schon bereits nach etwa 10 Minuten insgesamt waren wir durch. Dennoch haben wir faktisch eine Stunde verloren, denn Bulgarien liegt in einer anderen Zeitzone. Auf bulgarischer Seite waren die Straßen deutlich besser. Gut, da ist wohl einiges an EU-Geld geflossen und man bezahlt schließlich auch für die Straßenbenutzung in Form einer Digitalvignette. Nach etwa 60 Kilometern Landstraße ging es auch endlich wieder auf die Autobahn. Und in Bulgarien darf man 140 fahren, was definitiv entspannter ist als diese ewige Rumgurken auf schlechten Landstraßen. An einer Kreuzung stellten wir auch fest, dass wir nur noch 600km von Istanbul entfernt waren. Von der Autobahn waren es noch etwa 20 Minuten Stadtverkehr bis zur von uns auserkorenen Garage. Denn unser Hotel lag in der Fußgängerzone und hatte laut Booking.com keinen Parkplatz. Wir fanden eine vergleichsweise preisgünstige Garage (2 Nächte für rund 30€) unweit des nationalen Kulturpalastes (kurz NDK) mit anliegendem Park. Dort befand sich auch eine Metrostation, die leider etwas weitläufig war. Vollbeladen mit Gepäck machte ich mich daran, 2 Tickets zu besorgen. In Sofia gibt es, wie in vielen anderen Städten, aufladbare Karten. Das beste Angebot für uns war das 48h Ticket für rund 6€ pro Person. Die Umrechnung gestaltet sich als sehr einfach in Bulgarien. Ähnlich wie die bosnische Mark ist der bulgarische Lew fest an die DM gekoppelt worden, wodurch die Umrechnung auch zum Euro fest ist. Nach etwa 20 Minuten waren wir im Hotel…
Sofia
Nach einer kurzen Erholungspause gingen wir in die Stadt. Langsam war es auch schon Zeit für das Abendessen. Doch zunächst deckten wir uns mit Bargeld ein. Nach dem Essen musste Klaus kurz zurück ins Hotel für eine Videokonferenz. In der Zwischenzeit erkundete ich die Gegend etwas. Über die Banja-Baschi-Moschee zur Nationalversammlung und abschließend zur Rotunde des heiligen Georg. Nach etwa einer Stunde fand ich mich in einer Sportbar wieder. Denn am Abend war wieder Champions League. Nach einiger Zeit kam auch Klaus wieder vorbei auf ein Lecker Bierchen. Nach dem Spiel ging es auch wieder ins Hotel für die verdiente Nachtruhe…
Der Morgen begann mit einem tollen Buffetfrühstück im Keller des Hotels. Aufgrund der heißen Temperaturen ging es erst einmal in den Supermarkt zum Wasserkauf. Unser Rundgang begann im Park beim Zentralen Mineralbad. Vorbei an der Nationalversammlung und dem Präsidentenpalast gingen wir in den Stadtgarten beim Nationaltheater Iwan Wasow. Weiter ging es zum orthodoxen Tempel der sieben Heiligen. Ein kurzer Besuch in der kalten Kirche war eine echte Erleichterung bei der Hitze. Anschließend fuhren wir mit der Metro zur deutschen Botschaft, die in Sofia etwas außerhalb in einem Bankenviertel liegt. Anschließend fuhren wir zurück zum NDK, wo sich die St. Georgskirche befindet. Nach kurzem Spaziergang im Park kehrten wir zum Mittagessen ein. Da wir am Abend noch einmal groß zum Essen gehen wollten, entschlossen wir uns für eine Pizza in einer kleinen Pizzeria. Nach kurzer Siesta am Nachmittag und einem schnellen Suvenirikauf gingen wir am Abend, vorbei an einer kleinen russischen Kirche und der österreichischen Botschaft, zum Reitermonument des russischen Zaren Alexander II. Gegenüber befindet sich die ehemalige Nationalversammlung. Die heutige Nationalversammlung liegt hingegen in den ehemaligen Parteibüros der Kommunistischen Partei Bulgariens. Hinter der alten Nationalversammlung befindet sich die prächtige Alexander-Newski-Kathedrale an einem weitläufigen Platz. Daneben befindet sich die Sophienkirche mit dem Grabmal des unbekannten Soldaten. Nach einem kurzen Besuch der Kathedrale machten wir uns langsam auf Richtung Abendessen. Südlich des Kulturpalastes haben wir ein traditionelles bulgarisches Restaurant gefunden. Dort bestellten wir Kawarma, ein gemischtes Fleischgericht im Tontopf, welches mit Zwiebeln, Tomaten, Pilzen und Eiern zubereitet wird. Dazu gab es Livemusik im Restaurant. Nach dem Essen fuhren wir mit der Straßenbahn zurück ins Hotel. Damit begann auch so gesehen die letzte Nacht auf dem Balkan. Wir haben die Reise doch tatsächlich schon (fast jedenfalls) erfolgreich beendet…
Die Fahrt nach Segedin/Szeged
Und dennoch hatte die Heimfahrt noch einiges zu bieten. Da wir die gut 1400km Heimfahrt nicht auf einen Schlag fahren wollten (immerhin knapp 14h ohne Pause), haben wir bei der Reiseplanung eine Nacht im ungarischen Segedin/Szeged eingebucht. Es waren so nur gut 620km und etwa 6h Fahrt, mit kurzem Zwischenstopp in der serbischen Stadt Niš. Aber zuerst einmal frühstücken und zurück zum Parkhaus, ein letztes Mal mit der Metro. Erster Halt war eine Tankstelle, da der Tank seit dem letzten Mal tanken im Kosovo schon fast wieder leer war. Wenigstens ist das Tanken in Bulgarien günstig. Dabei spekulierte ich auch darauf, dass der Tank ohne Zwischentanken bis Ungarn reicht. Denn in Serbien ist Tanken, wie wir bereits von der Nordbalkanrundreise wissen, teuer teuer. Währenddessen habe ich auch einmal meine Scheibe etwas geputzt. Bis zum Grenzübergang Katolina/Gradinje war es eine knappe Stunde Fahrt. Raus aus der EU, um am gleichen Abend wieder einzureisen. Bei der Grenzkontrolle, bei der wir endlich wieder einen Stempel bekamen auf serbischer Seite, wurde auch erstmals mein Führerschein kontrolliert. Aber die Kontrolle verlief wie gewohnt zügig. Noch etwa 90 Minuten Fahrt bis zu unserem ersten Ziel des Tages, Niš. Entspannt auf der serbischen Autobahn A4 bei wenig Verkehr.
In Niš angekommen, stellten wir unser Auto in eine Parkgarage im Zentrum, bei der man glücklicherweise mit Karte zahlen konnte. Denn nochmal (und nur für eine Parkgebühr) Geld wechseln wollten wir nicht. Wir besichtigten die Festung mit anliegendem Park und deckten uns, ein letztes Mal, mit Suveniri ein. Nach etwa einer Stunde fuhren wir noch in ein nahegelegenes Einkaufszentrum, um beim goldenen M einen kleinen Mittagsimbiss einzunehmen.
Vor uns lagen laut Navi noch gut 4 Stunden bis zum Ziel. Dachten wir jedenfalls. Doch zunächst freuten wir uns über die Fertigstellung des südlichen Autobahnrings von Belgrad, fachmännisch von chinesischen Firmen erbaut. Dort war auch der Verkehr etwas dichter. Dazwischen lag noch eine kurze Pause an einem Parkplatz zum Beine vertreten. Einen Moment des Staunens hatten wir am Autobahnkreuz Dobanovci, wo einfach schon Wien angeschrieben war. Vorbei an Novi Sad näherten wir uns dem Grenzübergang Horgoš/Röszke. Es war etwa 17:15 als wir dort ankamen. Wir freuten uns schon auf die Sauna und den Jacuzzi im Hotel, welches noch etwa 30 Minuten entfernt war. Die 30 Minuten änderten sich aber bald in etwa 3 Stunden. Nach zügiger Abfertigung auf serbischer Seite merkten wir, dass im Niemandsland ein riesiger Stau war. Ungarn nahm es an diesem Freitagabend wohl wieder sehr genau, weswegen die Kontrollen ewig dauerten. Die Zeit verbrachten wir mit der Lösung mathematischer Probleme, spontanen Wutausbrüchen und dem regelmäßigen An und Abstellen des Motors, was bei einer Restreichweite von 30km sehr gut für den Tank war. Grund waren wohl die zahlreichen Autos aus der Türkei, bei denen es der Zoll sehr genau nahm. Unsere Kontrolle verlief hingegen so, dass ich dem Beamten die Pässe und den Fahrzeugschein gab, er kurz in seine Hütte ging und wieder rauskam und mir die Sachen wiedergab, um mir auf Deutsch eine gute Fahrt zu wünschen. Im Anschluss hatte ich ein Mischgefühl zwischen Erleichterung und Wut in mir. Mit 5km Restreichweite steuerte ich eine Tankstelle vor der Stadt an. Dort putzte ich auch erneut die Scheibe; von der Reinigungsaktion in Bulgarien sah man ungelogen nichts mehr. Im Hotel angekommen merkten wir, dass es gar keine Rezeption gab und alle Angelegenheiten am nächsten Tag beim Frühstück im nahegelegenen Restaurant geklärt werden. Für das Zimmer und die Räumlichkeiten erhielten wir digital vorher einen Code zugesendet. Im Restaurant neben dem Hotel kehrten wir zunächst ein. Die Gulaschsuppe, das Cordon bleu und das Bier hatten wir uns definitiv verdient. Glücklicherweise war der Spabereich auch in der Nacht noch offen, weswegen wir den Abend im Jacuzzi und in der Sauna ausklingen lassen konnten…
Die Rückfahrt
Am nächsten Morgen ging es zunächst zum Frühstück. Im Anschluss ging es noch kurz in den Supermarkt. Denn in Ungarn sind mache Waren deutlich günstiger als bei uns, weswegen ich unter anderem etwas Sonnenblumenöl kaufte. Zudem deckten wir uns für die Rückfahrt mit Snacks ein. Vorbei an Budapest bis zur österreichischen Grenze über die uns schon bekannten Wege. Natürlich auch wieder die obligatorische Umfahrung des Grenzstaus in Hegyeshalom. In Österreich durfte Klaus das Steuer übernehmen. Auf einem Parkplatz sahen wir auch ein Auto, welches dort offensichtlich stillgelegt wurde. Einen letzten Fahrerwechsel gab es in Wels beim letzten Tankstopp. Ab da hieß es Gas geben. Nach der Grenzkontrolle zwischen Pocking und Passau Süd hieß es Tempolimit – nein danke, weswegen wir von Wels bis zum Ziel nur 1 ½ Stunden brauchten. Nachdem ich Klaus daheim abgeliefert habe ging es für das Auto in die wohlverdiente Waschanlage. Auch wenn es 5 Minuten später wieder voll mit Saharastaub war. Wir hatten es tatsächlich geschafft, 3800km in 14 Tagen auf dem Balkan…
Fazit
Die Südbalkanrundreise war ein Erlebnis keines gleichen. Kulturell und kulinarisch hat die Gegend sehr viel zu bieten. Auch Freunde der Landschaft kommen nicht zu kurz. Mit dieser Reise, die definitiv nicht die letzte in den Balkan war, haben wir auch alle Länder in Südosteuropa abgehakt. Bis dahin bleibt es für mich danke zu sagen für das Lesen dieser 8400 Wörter und довиђења!




































